Montag, 28. Juni 2010

Nothing

Leere. Taubheit. Man steht und doch bricht das Innerste zusammen - unerwartet. Bewegungen verlangsamen sich und Geräusche verblassen. Stille.

Niemals zurückblicken, immer nach vorne schauen. Egal was passiert.
Du musst schneller laufen können als deine Vergangenheit, wenn du stolperst oder langsamer wirst, dann kannst du dir sicher sein, dass sie dich einholt, überrollt und verschlingt.

Ich hasse solche schwachen Momente. Keine Kontrolle, man muss es über sich ergehen lassen. Wehrlos und hilflos zugleich. Auf der ewigen Suche nach seiner Identität verliert man sich, zerfließt und wird brachial überrollt. Man kann keinen klaren Gedanken fassen. Hat keinen Einfluss auf das Geschehen und muss es über sich ergehen lassen. Grausam. Manchmal möchte man sich ein großes Messer nehmen, sich vor den Spiegel stellen und langsam den Brustkorb öffnen, in der Hoffnung, dass alles Böse und Schlechte aus einem rausfließt. Kein warmes, glucksendes Blut, nein, der böse Passagier, der in einem inne wohnt - deine Gedanken verseucht und deine Aktionen steuert. Der böse Passagier.
Es einfach rausfließen lassen, dabei zusehen und grinsen. Die Haut klafft weit auseinander und das warme Lebenselexier bahnt sich seinen Weg über deinen Körper. Wie ein Vulkan. Der Kern glüht heiß und wild. Pumpt und schreit. Wielange es wohl fließen muss, bis alles Falsche raus ist?

Das Gesicht blass, die Augen leer. Blut an den Fingern. Man kann das Böse schmecken. Ein rotes Netz legt sich über die Lippen, die Zunge erledigt den Rest. Der Geschmack so süß und doch so abgrundtief böse. Bewusstlosigkeit.

Montag, 21. Juni 2010

I Don`t Know What's Going On

Die Sonne scheint, die Stimmung ist losgelöst und mit gutem Gewissen steige ich in das unbekannte Auto. Ein leicht muffeliger Geruch begrüsst mich, als ich meine wenigen Klamotten nach Hinten schmeiße. Der Fahrer begrüsst mich freundlich. 700 Kilometer liegen vor uns. Der Weg ist das Ziel. Er legt den ersten Gang ein und gibt Gas. Die Musik ist nicht nach meinem Geschmack, aber da wir noch keine fünf Kilometer gefahren sind, will ich mich nicht schon gleich beschweren. Gesprächsaufbau. Ich merke schnell, dass die Fahrt anstrengend wird und schweige einfach. Im Kofferraum klimpern die Bierkästen. Ich schließe die Augen und stelle mir vor, wie ich ein Bier öffne und daran rieche. Mein Mund nähert sich der Öffnung und der Inhalt läuft in meinen Mund. Ich seufze und versuche mich auf den Verkehr zu konzentrieren. Die Fahrt ist sehr rasant und ich überlege, ob ich nicht doch wieder mit dem Trinken anfangen sollte.

Seine langen, dunklen Haaren hängen ungepflegt in seinem Gesicht, ein buschiger Bart verdeckt seine Mimik. Die Augen klein und verkniffen. Seine Lederhose steht mit Sicherheit von alleine, wenn er sie auszieht. Das Auto passt zu seinem Besitzer. Ich versuche mich zu entspannen und strecke meine Beine aus. Er murmelt irgedwas unverständliches über Musik. Nickend schaue ich aus dem Fenster und beobachte die Autofahrer. Er schaltet unruhig und beschleunigt immer wieder stark, sodass es mich tief in den Sitz presst. Meine rechte Hand umfasst den Türgriff, ich schließe die Augen und widme mich der Musik. Eigenartige Klänge rauschen durch meinen Gehörgang. Konzentriert versuche ich Gefallen daran zu finden - erfolglos.

Er zündet sich eine Zigarette an, seine Fingernägel sind dreckig und die Fingerspitzen gelb vom Nikotin. Ein Schauer läuft über meinen Rücken. Er zieht intensiv an der Zigarette und lässt den Rauch langsam aus seiner Nase gleiten. Seine Lippen sind spröde. Erneuter Gesprächsaufbau. In meinen Gedanken öffne ich das nächste Bier.

Jedes Lied klingt gleich. Ich werde unruhig und ein komisches Bauchgefühl macht sich bemerkbar. Ich zünde mir auch eine Zigarette an. Er beobachtet mich dabei. Leicht nervös ziehe ich an der Kippe und lasse den Rauch langsam aus meinem Mund strömen. Beim Ausdrücken seiner Zigarette berührt seine Hand für einen kurzen Moment mein Knie. Ich zucke.

In mir zieht es sich zusammen und ich bekomme Magenschmerzen. Mein Herz beginnt zu rasen und meine Kehle wird schlagartig trocken. Ich trinke ein Schluck. Er beobachtet mich. Ich atme tief und ruhig ein, blicke aus dem Fenster. Die Geräusche verstummen langsam und vermengen sich zu einem stumpfen Dröhnen. Mein Herz pocht. Ich werde immer unruhiger und rutsche auf meinem Sitz hin und her. Ich spüre seine Blicke. Er fährt unkonzentriert. Meine Hände werden nass. Ich presse sie zwischen meine Schenkel. Sein Atem ist schwer. Immer häufiger durchdringen mich seine Blicke. Mustern mich. Wandern an mir entlang. Durchbohren mich. Ich halte die Luft für einen Moment an, versuche meinen Herzschlag zu kontrollieren. Die Unruhe wird größer.
Wolken verdecken die Sonne. Es wird dunkel. Der Asphalt dröhnt unter der schnellen Geschwindigkeit. Ich schließe die Augen. Tue so als würde ich schlafen. Atme langsam und ruhig. Ich spüre seine Blicke. Ich spüre seine Nähe. Der Ekel wächst in mir. Seine Hand streicht über mein Knie. War das Absicht? Ich versuche nicht zu zucken, nicht zu verkrampfen. Beiße mir auf die Lippe. Es wird still.

Plötzlich wieder eine Berührung. Es läuft mir eiskalt den Rücken herunter, mein Magen verkrampft erneut. Paralysiert und angewidert kämpfe ich dagegen an, nicht laut los zuschreien. War es Absicht? Die Sekunden fühlen sich wie Minuten an. Das Rauschen der Autos treibt mich in den Wahnsinn - diese Unruhe ist unerträglich. Versuche mich nicht zu bewegen - erstarre. Ich höre wie sein Atem immer schwerer wird. Er zieht die Luft tief in seine Lunge und presst sie wieder heraus. Dieses Geräusch widert mich an. Ruckartige Fahrmannöver verlangen mir alles ab. Meine Zunge presst sich gegen meinen Gaumen. Sein Finger fährt über mein Knie. Alles in mir schreit laut auf. Er stöhnt leise.

Ich spüre wie das Blut in meiner Schläfe pocht - es schmerzt. Ein riesiger Geräuschebrei umhüllt meinen verkrampften Körper. Sein Hand streicht über meinen Unterarm. Alles in mir ist nun auf Abwehr eingestellt - pure Absicht. Ich zucke. Seine Hand schreckt zurück. Er stöhnt erneut. Mir wird schlecht und ich will aus dem Auto. Mein Magen versucht mit aller Gewalt den Inhalt nach oben zudrücken. Ich muss schlucken. Ich rieche seinen Schweiß. Ich schmecke die Kotze in meinem Mund. Ich spüre seine Blicke überall. Entschlossen öffne ich die Augen und trinke einen Schluck Wasser. Er ist nervös. Er leckt sich über seine Lippen, streicht sich den Bart zur Seite. Ich beobachte ihn. Meine Blicke machen ihn noch nervöser. Ein schneller Spurwechsel auf die rechte Seite. Im Augenwinkel sehe ich ein Parkplatzschild. Der Himmel ist inzwischen fast schwarz. Dunkle, schwere Wolken umgeben den Horizont. Die Zeit steht für einen Moment still. Vor mir ein leerer Parkplatz - dreckig, abgelegen und düster. Mein Herz beginnt zu rasen. Kann keinen klaren Gedanken fassen. Suche mit den Augen den Türknopf. Er parkt und fast zeitgleich drückt er mich mit einem Arm in den Sitz. Unsere Blicke treffen uns. Sein Atem ist schnell und hart. Ich will ihn wegstoßen, schaffe es nicht. Meine Kehle schnürrt sich zusammen. Sein linker Arm drückt mich immer tiefer in den Sitz, mit der rechten Hand packt er mein Gesicht. Ich kann seine Haut riechen und mir kommt erneut Kotze hoch. Er fängt an meine Brüste zu kneten. Ich versuche mich zu wehren. Zwecklos. Er stöhnt laut auf. Seine Erregung widert mich an. Am liebsten würde ich ihm ins Gesicht kotzen. Mein ganzer Körper verkrampft. Ich presse meine Schenkel zusammen. Winde meinen Körper. Versuche aus dem Auto zu kommen. Zwecklos. Panik steigt in mir hoch. Mir wird schlecht. Seine Hand ist überall. Ich presse mich tief in den Sitz. Versuche so zu entkommen. Zwecklos. Die andere Hand drückt meine Kehle zusammen. Ich bekomme kaum Luft. Meine Adern schwillen an. Mein Kopf platzt jeden Moment. Röchelnd winde ich mich unter seiner Kraft. Seine Erregung wächst. Er drückt sich an mich und atmet in mein Ohr. Ich spüre seinen heißen Atem an meiner Wange. Mir ist schwindelig, bekomme kaum Luft. Will nicht ohnmächtig werden. Speichel läuft aus meinem Mund, sein Bart kratzt über meinen Hals. Ich beiße mir auf die Lippen und schließe die Augen. Sein Stöhnen wird lauter, sein Atem schneller. Mit aller Gewalt versucht er meine Schenkel auseinander zubekommen. Ich kämpfe dagegen an. Mein Widerstand geilt ihn auf. Sein Atem wird immer unkontrollierter. Er greift meine Hand und schiebt sie sich zwischen seine Beine. Ich würge erneut. Das ranzige Leder der Hose gepaart mit seinem pulsierenden Schwanz schürrt die Panik in mir. Alles in mir wehrt sich. Versuche meine ganze Kraft zu sammeln. Zu fokussieren. Zwecklos.

Kein Auto. Kein Mensch. Nur dunkle Wolken und seine Gewalt über meinen Körper. Er trägt ein Messer an seinem Gürtel. Ich will dieses Messer. Meine rechte Hand versucht seinen Griff von meiner Kehle zu lösen. Seine linke Hand führt meine linke Hand über seinen Schritt. Hass, Wut, Verzweifelung. Ich muss ihn ablenken, verwirren, sein Spiel mitspielen. Angewidert, aber entschlossen knete ich seinen Schwanz. Sein Griff löst sich leicht. Ich beiße die Zähne zusammen und mache weiter - pure Absicht.

Sein Stöhnen wird lauter, seine Lederhose pulsiert. Er schließt die Augen. Gibt sich der Erregung hin. Meine Finger wandern, mit der Hoffnung, an das Messer zu gelangen. Seine Hand lässt von mir ab. Sein Atem wird schneller. Ich habe nur einen Versuch.
Sein Oberkörper versperrt mir die Sicht, er muss sich weiter rüberbeugen. Ich versuche mich nach rechts zu drücken. Er rutscht mit seinem Oberkörper näher an mich heran. Meine Fingerspitze spürt das Messer. Ich massiere weiter - er seufzt. Mein Handballen drückt fest gegen seinen harten Schwanz, die Fingerspitzen öffnen das Lederetui. Eine bedachte Bewegung wird von einer ruckartigen und schnellen Bewegung gefolgt und rammt ihm das Messer tief in den Magen. Ich blicke in sein schmerzverzerrtes Gesicht. Seine rechte Hand lässt von mir ab. Ich nutze den Moment und drehe mich - mit mir das Messer in seinen Magen. Er schreit auf. Warmes Blut läuft über meine Hand. Ich stoße das Messer noch fester in seine Gedärme. Er versucht mich wegzudrücken. Dabei bohrt er sich das Messer noch schräger in sein Innerestes. Er packt meine Hand und stößt mich mit der Klinge weg. Seine Hand drückt auf die zerfetzte Wunde. Ich springe aus dem Auto. Er versucht mich zu packen, seine Schnelligkeit ist beeinträchtigt. Jede Bewegung scheint purer Schmerz zu sein. Er versucht aus dem Auto zu steigen. Sein Körper schwankt, überall ist Blut. Unsere Blicke treffen sich. Ich sehe seinen verzerrten Mund unter dem Bart hervorblitzen. Die Wunde, die ich ihm verpasst habe, ist riesig und dunkles Blut fließt über seine ranzige Lederhose. Ich spüre das Adrenalin in mir. Mein Herz rast noch schneller, ich atme tief und schnell. Er steuert auf mich zu. Ich richte die Klinge auf ihn und gehe zurück. Sein Gesicht ist blass, seine Augen voller Wut. Seine Schritte werden schneller. Ich fuchtel wild mit der Klinge, aber das schreckt ihn nicht ab.

Kein Auto. Kein Mensch. Nur dunkle Wolken und der Geruch nach Regen.
Er stößt einen lauten Schrei aus und springt entschlossen in meine Richtung. Ich reiße die Klinge nach oben und spüre erneut warmes Blut. Er fällt zu Boden. Eine klaffende und tiefe Wunde von seiner rechten Brust bis zu seiner Kehle. Seine Hände versuchen die Blutung zu stoppen. Zwecklos.

Langsam bildet sich eine Lache. Ich schaue ihm in die Augen. Sein Blick ist schmerzverzerrt. Er wimmert. Er hat Schmerzen. Er röchelt. Ich rieche sein Blut.
Ein plötzlicher starker Regenschauer unterbricht diesen Moment. Der Regen verdünnt die Blutlache und lässt es in das nahegelegene Gras abfließen. Er streckt mir seine rechte Hand hilfesuchend entgegen. Ich streiche mir mein nasses Haar aus dem Gesicht und schaue ihm in die Augen. Seine Pupillen sind geweitet, sein Blick ist starr und voller Angst. Ich lasse das Messer fallen. Und gehe zum Auto. Ein letztes Zucken durchfährt seinen blutüberströmten Körper. Kein Pulsieren. Keine Erregung. Stille. Nur das Rauschen des Regens.

Pure Absicht.

Sonntag, 13. Juni 2010

The Burning Red

Ja, ich lebe. Sechs Monate sind nun vergangen, es ist viel passiert und ich lebe.

Nachdem ich Bielefeld erfolgreich besetzt habe, versuche ich nun mein Bestes zu geben. Dortmund war grandios, keine Frage, aber hier in Bielefeld ist es nun doch nicht so schlimm. Wie heißt es so schön: auch auf einem Misthaufen kann eine Rose wachsen. Jedoch hat eine Rose Dornen, ein Mensch mit masochistischen Affinitäten würde sich freuen, aber ich, als geneigter Sadist, finde es fürchterlich. Ein kleines Beispiel gefällig?
Da ich im Moment abstinent lebe (bis zu meinem Geburtstag keinen Alkohol, circa 50 Tage also) habe ich eigentlich schon wenig Spass. Trotzdem waren wir wieder im Rock Café: same procedure as usual - kickern, quatschen, sich an den Leuten erfreuen. Ich habe mich ein wenig schicker, meinetwegen auch damenhafter, gekleidet. (Leute, die mich kennen, würden meine schlabber Shirts und Shorts als normal bezeichnen) Nicht aber an diesem Abend. Die üblichen Leute wie immer. Alles super, ich hatte sogar Spass, machte meine Witze und belächelte die besoffenen Menschen. Mal eine ganz andere Perspektive.

Da kam dann also ein Typ, der augenscheinlich sehr fasziniert von meinen sekundären Geschlechtsteilen war - Brüste. Irgendwann kamen wir dann ins Gespräch, wir hatten auch schon einmal Billard gespielt, aber durch meinen "Schlabberlook" weckte ich wohl kein Interesse. Es wurde immer später, oder auch früher und mit steigendem Nachdruck wollte er mich "verführen". Er:"Ich wohne hier direkt gegenüber." Ich:"Schön." Er:"Ich habe ein Bett." Ich:"Wow, ich auch." Das Gespräch schlug nun eine andere Richtung ein und er versuchte mich mit offensiven Sprüchen zu beeindrucken. Ich lächelte in mich hinein und konterte mit Dingen, mit denen er nicht gerechnet hätte - zumindest nicht von einer Frau. Ich spielte mit, aber mit der Gewissheit, im Vorteil zu sein. Irgendwann wollte er meine Nummer, weil er merkte, dass er es nicht mehr schaffen würde, es sei denn, er würde einen Knochen rausholen, ihn mir über den Schädel ziehen und mich an den Haaren in seine Höhle ziehen. Da ich wusste, dass er mit Sicherheit sich nicht mehr an meinen Namen erinnern konnte, schlug ich ihm einen Deal vor:"Wenn du mir sagst wie ich heiße, bekommst du meine Nummer." Sein Entsetzen war riesig, Schnappatmung machte sich bemerkbar. "Irgendwas mit S", stotterte er. Siegessicher lachte ich und guckte ihn abwertend an. Die Raterei war grandios: Silke, Sybille, Steffi, mein Favourite war Sieglinde. Seine Hilflosigkeit machte mich an und ich gab ihm einen Tipp:"Mein Name besteht aus den Buchstaben: S, U, A und N."

Schweigen.

Einen Moment später kam wie aus der Pistole geschossen:"SAUNA." Ich verschluckte mich fast an meiner Cola und prustete laut los. Ich:"Klar, Sauna und mit Nachnamen Aufguss."
Er guckte mich verwirrt an. Ich zog meine Jacke so an, dass er noch einen letzten Blick auf die Dinge hatte, die er niemals bekommen würde, lächelte mitleidig und verließ den Ort der Grausamkeiten.

Ihn hätte ich in meinem Handy unter "O" abgespeichert, "O" wie "ordinary" - für gewöhnliches Arschloch, ohne Eloquenz!