Mittwoch, 21. August 2013

In Every Dream Home A Heartache

Das zähe Rot verklebt die Tapete. Wie kleine Marionetten tanzen die Tropfen von der Decke und landen mit einem kurzen Flatsch auf dem Boden. Die kleinen Sprenkel werden direkt vom ranzigen Laminat aufgenommen und verlieren ihren Glanz. Flatsch. Der grosse Fleck wabert noch einen Wimpernschlag nach dem Aufprall. Flatschflatsch. Es regnet. Wild tropft das kleine rote Leben aus jeder Pore dieser mickrigen Dachgeschosswohnung. Die Pflanzen welk und saftlos. Winzige Tropfen huschen über die ausgedörrten Blätter. Faszinierend, wie das Leben schwindet und trotzdem in jeder Faser haust.

Perfide Poesie.

Dienstag, 13. August 2013

Blown Out

Eigentlich sollte ich mich auf wichtige Dinge konzentrieren. Doch die Stimme in mir wird immer lauter, ja, sie brüllt mir mit voller Inbrunst entgegen. Mein Magen verkrampft sich und ich muss kotzen. Würge, röchel und schnaufe. Aber sie verstummt nicht. Nein. Ich starre auf diesen verfickten Bildschirm, versuche mich zu konzentrieren. Nur drei Seiten. Nein. Ich würge erneut. Meine Hände zittern und alles sackt in mir zusammen. Die Buchstaben verschwimmen zu einem grauen Brei. Ich röchel. Meine Kehle schnürt sich zu. Ich schliesse meine Augen, atme tief ein und schnaufe. Ich bin geliefert. Verdammte Scheisse. Was ist los mit mir? Die Stimme flüstert mir etwas zu. Nein. NEIN. Scheisse. Mit voller Wucht lasse ich meinen Kopf auf den Schreibtisch klatschen. Rums. Stille. Pochend und heiss flirrt der Schmerz über meine Stirn. Die Stimme verstummt, nur das Echo des Aufpralls dröhnt noch nachhaltig.

Nun sitze ich hier im Schützengraben, links und rechts schlagen die Bomben ein und erschüttern meinen Körper. Dreck rieselt auf mich nieder und der Staub versperrt mir die Sicht. Ich umklammere mein Gewehr. Mein Helm ist viel zu gross und rutscht andauernd hin und her. Es riecht nach verbrannter Erde. Ich schmecke den Staub. Reibe meine Augen, der Dreck brennt. Dutzende Maschinengewehre knattern und poltern - unerträglich. Menschen schreien. Brüllen. Schmerzerfüllt, voller Adrenalin, Verzweiflung und Angst. Man kann sie riechen, die Angst. Der Boden bebt und ich kann mich kaum auf den Beinen halten.

Die nächste Bombe wird mich in tausend Stücke zerfetzen und im ganzen Graben verteilen. Menschliches Konfetti - für eine Bombenstimmung! Mein Gesicht wird sicherlich kurz vorher zum Schiessen aussehen.

The Possibility Of Life's Destruction

Was passiert, wenn du scheiterst? Was soll´s. Tanzend dem Abgrund entgegen. Lächelnd. Das Leben ist tödlich. Ich zünde mir eine Kippe an. Zucke mit den Schultern und kippe das warme Glas mit dem Suff runter. In meinem Kopf wirbelt das Konfetti. Mein Herz tanzt. Wie gerne wäre ich jetzt bei dir.

Ja, diese Welt erklärt Idioten zu Helden. Wahre Worte. Du scheiterst. Was soll´s. Wenn ich dir meine Zunge in den Mund schiebe, bin ich vollkommen. Unser Speichel vermischt sich, warme Geborgenheit züngelt sich ihren Weg ins Paradies. Ich will dich berühren. Spüren. Schmecken. Riechen. Doch ich bin kein Held. Ich scheiter täglich. Lächelnd. Und proste dir zu. Die Zigarette glimmt in meinem Mundwinkel und der Rauch treibt mir Tränen in die Augen.

Ich zucke mit den Schultern. Was soll´s. Und mache das Glas erneut voll. Warme Geborgenheit. Bist du meine Zukunft? Oder bin ich ein weiteres Mal nur eine Gegenwart? Ein Abenteuer voller Konfetti. Erst wirbelt es wild um dich herum, fällt aber langsam zu Boden, bis es verranzt unter etlichen Füssen hinfort getragen wird.

Was soll´s. Das Leben ist tödlich. Ich zünde mir erneut eine Kippe an und beobachte das tanzende Konfetti.

Mittwoch, 7. August 2013

Thirteen

"Mädchen, du bist in echten Schwierigkeiten", er starrt sie mit großen Augen an und stößt einen tiefen Seufzer aus. Sie zuckt mit den Schultern, lächelt hämisch und greift nach dem Bier. "Ist das deine Lösung? Ignoranz und Alkohol?" Sie setzt die Flasche an und leert sie mit wenigen Zügen. "Hier, mach dich mal nützlich und hol´ mir ein Neues", begegnet sie ihm harsch und drückt ihm die Flasche in die Hand. "Ich geh´ kurz mal raus, also beeil´ dich." Sie hofft, das würde ihm als Antwort genügen. Die Musik ist eh unerträglich in dem Laden, sie braucht frische Luft. Falsch. Eine Zigarette. Überall stehen die Leute im Weg und amüsieren sich, angewidert drückt sie sich durch die verschwitzten Körper. Ausdruckslose Gesichter, die stumpf im Takt der Musik mitwippen. Sie verzieht das Gesicht. Vor der Tür ist es nicht besser. Kleine Grüppchen, die in Feierlaune sind. Sie zündet sich eine Kippe an und stellt sich in eine Ecke. "Hier, dein Bier", rumpelt er und stolpert mit einer kühlen Flasche in ihre Richtung. Sie prostet ihm zu und leert es erneut. "Du bist schrecklich, aber das weißt du ja selber", sein Murren lässt sie kalt und knallt die leere Flasche auf einen kleinen Stehtisch. "Ey, das geht auch mit Gefühl, die muss man nicht so hinknallen", "Ranz mich nicht so von der Seite an, oder ist das dein Tisch?" Der Typ fehlt ihr jetzt noch. Sie hasst es, wenn sie dämlich angepöbelt wird. Ihr Begleiter hält sie am Arm, um zu vermeiden, das sie ihm direkt an die Kehle springt. "Bleib ruhig", zischt er ihr zu "Du hast schon genug Scheisse am Arsch".
Sie wirft dem anderen Typen abschätzige Blicke zu und murmelt was in ihre Haare, die immer wieder wild in ihr Gesicht wehen. Noch 13 gottverdammte Tage. 13. Sie atmet tief ein, schnippst die Zigarette weg und geht an den Leuten vorbei. Er folgt ihr.

Warum musste sie sich auch wieder überreden lassen. Sie hasst diesen Laden. Sie hasst diese Menschen. In ihrem Kopf türmen sich die schlimmsten Beschimpfungen. Sie beißt sich auf die Zunge. "Ich geh´ zum Kiosk, brauchst du noch was?" Er schüttelt den Kopf und kickt eine Dose über die halbe Strasse. Das Scheppern hebt sich von dem restlichen Geräuschebrei der Nacht ab. Er lächelt.

Es ist mitten in der Nacht. Kein Lüftchen. Keine Sterne. Ab und zu ein Auto, ein gröhlender Besoffener, kichernde Girlies. Sie geht schneller. Die gekaufte Flasche Billig-Whisky hat sie bereits geöffnet. "Hast du es eilig?" Sie nimmt einen großen Schluck und ignoriert seine Frage. Die Schuhe klackern über den Asphalt. Sie nimmt noch einen Schluck und drückt ihm dann die Flasche in die Hand "Trink!"
Widerwillig nippt er an dem Gesöff, der scharfe Geschmack treibt ihm Tränen in die Augen. "Wie kannst du das nur trinken?" Endlich wirkt das Zeug, denkt sie und ihre Schritte werden langsamer und entspannt. Sie dreht sich zu ihm um, greift nach der Flasche und lässt die bernsteinfarbende Flüssigkeit in großen Schlucken die Kehle hinunter gluckern. "Siehst du, ganz einfach", sie lächelt verschmitzt und boxt ihm gegen seine Schulter. Er verzieht das Gesicht und wuselt durch ihr Haar. "Du bist wirklich bemerkenswert", ihre Blicke treffen sich. Ihre Augen sind klar, aber rätselhaft. Er neigt den Kopf und kneift seine Augen zusammen, um ihrem Blick standzuhalten. "Das sind die Momente, in denen ich Angst vor dir habe", er wendet seinen Blick ab. Sie lacht.

Warum musste er sich auch wieder überreden lassen. Er hasst es, wenn sie so ist. Er hasst es, wenn er ihr aber trotzdem folgt. Seine Hände sind tief in seinen Hosentaschen zu einer Faust geballt und rotzt einen ordentlichen Grünen an ein Auto. "Wohin gehen wir jetzt?" Sie setzt die Flasche ab, bleibt stehen und lächelt.

Sie muss es ihm sagen. Das ist sie ihm schuldig, nach der ganzen Scheisse, die er schon für sie in Kauf genommen hat. Noch 13 gottverdammte Tage. Langsam benebelt von der Plörre, zündet sie sich eine Zigarette an und pustet den Rauch in sein Gesicht. "Weisst du,...", beginnt sie, "....du musst jetzt nicht hier sein, aber du bist es. Ich habe dich nicht darum gebeten. Und entweder wirst du gleich in diese verkackte Karre einsteigen, oder eben nicht", sie deutet in eine dunkle Gasse. "Scheisse, man, du weisst ganz genau, dass ich nicht von deiner Seite weichen werde", seine Stirn legt sich in Falten und er verzieht seinen Mund. "Dann haben wir das geklärt", sie kippt sich noch einen Schluck in den Mund.

Mitten in der Nacht, irgendwo in einer dunklen, schäbigen Gasse. Seine Nackenhaare wollten sich am liebsten aufstellen, aber er unterdrückt dieses Gefühl. Die Schritte hallen und verstummen im Nichts, bis sie plötzlich stehen bleibt. "Hier, nimm´mal die Pulle und steig ein", im selben Moment klackt die Fahrertür. Sie plumpst mit einem zufriedenen Schmatzen auf den abgeranzten Sitz. Das Licht funktioniert nicht. Er tastet sich am Auto entlang zur Beifahrertür. 92´er Chevy, matschige Farbe. Er würde ihr am liebsten etliche Fragen stellen, aber er lässt es und steigt wortlos ein. Ein großer Schluck beruhigt seine Nerven. Die Flasche ist so gut wie leer. War ja klar. Aus seinem Augenwinkel beobachtet er ihre Bewegung und mustert dabei unauffällig das abgenutzte Innenleben des Autos. Wirre Gedanken kreisen in seinem Kopf. Hat er Angst?

Er presst seine Lippen zusammen und drückt sich in den Sitz. Seine Beine ausgestreckt. Er zittert. Mit einem lauten "Jieeehaaaaaa", startet sie die Karre und das Radio springt an. Sein Atem stockt. Mit einem ungesundem KRZCH rastet die Automatik ein und einem lauten Motorenkrachen setzt sich der Chevy schwermütig in Bewegung. Er leert die Flasche und schließt die Augen.


-tbc-




The Eliminator

Ist das mein Leben? Hier und da zwickt es, ich entwachse den Erwartungen. Bin ich heute schon aufgestanden? Habe ich das Bett verlassen? Der Krieg tobt. Keine Gefangenen.
Orientierungslos stolper ich durch den Nebel. Kein Licht. Kein Weg. Unendliche Weiten voller Irrsinn. Der Wahnsinn klopft an die Schläfe. Meine Pupillen flirren.
Der Dreck der Vergangenheit hängt klumpig an meinen Beinen. Stellenweise angetrocknet, hart wie Beton. Jeder Schritt strengt so sehr an. Ich muss mich setzen. Das Wasser steigt. Wild und tosend reißt es an meinen Füssen. Aus dem Nichts greifen Hände nach mir. Zerren und schieben. Drücken und kratzen.
Ist das mein Leben?

Dienstag, 6. August 2013

Ringfinger

Dein Anblick brennt sich in diesem Moment für immer in mein Hirn. Ich hocke zwischen deinen nackten Beinen und inhaliere diesen lustvollen süßlichen Geruch. Deine Haut glänzt unter dem schummrigen Licht und der frische Schweiss rinnt an deinem Hals hinunter. Wird gleich dein Herz explodieren?
Du keuchst und windest dich unter meinen Berührungen. Wilde Blicke voller Inbrust. Ich beiße mir auf die Unterlippe und kralle mich in dein zuckendes Fleisch. Meine Zunge gleitet sanft an deinem Schenkel entlang, während meine Hände versuchen dich zu bändigen. Ich will dir deinen Verstand raus saugen. Meine Zunge nähert sich deinem Schwanz, du stöhnst. Deine Lenden toben und strecken sich meinem Mund entgegen. Du spürst meinen heißen Atem und die wohlige Feuchte meines Mundes, die sich langsam über deine Eichel stülpt. Stück für Stück lasse ich dich eindringen. Du stöhnst laut auf und in deinem Blick spiegelt sich die pure Gier. Ich begehre dich.

Meine Zunge umkreist deine fleischgewordene Lust, erst langsam und sanft, deine Brust hebt und senkt sich immer schneller, eine Rasanz, die ich mit meinem Mund umsetze. Ich sauge fester und umfasse deinen prallen Schwanz und stoße ihn bis zum Anschlag hinein. Du schreist auf und drückst dich in das Sofa. Ich bin nass und genieße deine Geilheit. Wir brennen, voller Sehnsucht und Wollust. Wir verschmelzen, voller Hingabe und Tiefe. Dein Anblick brennt sich in diesem Moment für immer in mein Hirn.
Wellen der Lust durchpreschen deinen Körper, deinen Geist. Meine Bewegungen werden schneller, ich kontrolliere deinen Rausch, stoße dich immer wieder tief hinein. Du ringst nach Luft, dein Körper bebt und Schweiss sammelt sich unter deinem Körper. Bis dich die Welle völlig hinfort reisst und deine Synapsen explodieren. Ich bin in dir und komplettiere dich. Dein Anblick bringt mein Herz zum Explodieren.